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Gedenkstunde zum Volkstrauertag auf dem Ehrenfriedhof in Wolfhagen

Bild

Auf dem Ehrenfriedhof in Wolfhagen wurde am Volkstrauertag unter der Teilnahme zahlreicher Bürgerinnen und Bürger und Mandatsträger der Opfer von Krieg und Gewalt gedacht. Nach der musikalischen Einstimmung des Posaunenchors der evangelischen Kirchengemeinde Wolfhagen begrüßte Bürgermeister Reinhard Schaake die Anwesenden der Gedenkveranstaltung Er erinnerte an die Gefallenen aus


Wolfhager Familien und dass sie immer in unserem Gedächtnis sind. Er dankt allen Anwesenden, dass sie hier sind um dies nicht zu vergessen.

 

Anschließend begrüßte Bürgermeister Schaake den Stadtverordnetenvorsteher Burkhard Finke, Hermann Finke, Mitglieder des Magistrat und der politischen Gremien, Vertreter der Freiwilligen Feuerwehr und der Reservistenkameradschaft, Pfarrer Marek Prus, Hans Eichel sowie seine Ehefrau Gabriela Wolff-Eichel, die im Anschluss die Gedenkrede hielt. Dabei nutzte er die Gelegenheit, nochmal allen zu danken, die sich im Erinnern an das Ende des 1. Weltkrieges vor 100 Jahren in die Gestaltung der Friedenswochen eingebracht haben. Besonders hervorgehoben hat er das federführende Engagement des anwesenden Dekan Dr: Gernot Gerlach und dankte Frau Christiane Witte, die Wolfhagen in Tergnier bei der Gedenkveranstaltung 100 Jahre Ende 1. Weltkrieg vertrat und in der Bürgerversammlung darüber beeindruckend berichtet hat.

 

Anschließend übergab er das Wort an die Gastrednerin Frau Gabriela Wolff-Eichel.

 

Die Rede im Wortlaut :

 

„Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren, lieber Herr Reinhard Schaake,

vielen Dank für die Einladung, dass ich hier und heute anlässlich des Volkstrauertages sprechen soll. Der Einladung bin ich gern gefolgt. Kaiser Wilhelms Reichskanzler Prinz Max von Baden verkündete am 9. November 1918 das Ende der Monarchie und ernannte den Sozialdemokraten Friedrich Ebert zum neuen Reichskanzler. Zwei Tage später, am Morgen des 11. Novembers 1918, unterzeichneten die neue deutsche Regierung, vertreten durch Staatssekretär Matthias Erzberger und Marschall Ferdinand Foch (von der französischen Seite) in einem Eisenbahnwaggon im Wald von Compiègne den Waffenstillstand, der noch am selben Tag in Kraft trat: Um 11.00 Uhr gaben Trompetensignale an den Fronten das Ende der Kampfhandlungen bekannt, unmittelbar darauf schwiegen die Waffen. Damit war der Erste Weltkrieg beendet. Die Bilanz dieses Krieges: Frankreich: 1.358.000 Tote. Russland: 1.700.000 Tote. Großbritannien: 908.000 Tote. USA: 126.000 Tote. Deutschland: 1.774.000 Tote. Am 14. November 1918 trifft Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg in Kassel ein, um von Schloss Wilhelmshöhe aus die Demobilisierung der deutschen Truppen zu leiten.  Der spätere Reichspräsident wird von den Kasselern begeistert empfangen und 1919 Ehrenbürger der Stadt. 1919 gründete sich der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zum Gedenken an die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges. Der von dem Volksbund initiierte Volkstrauertag sollte ein Zeichen der Solidarität derjenigen, die keinen Verlust zu beklagen hatten, mit den Hinterbliebenen der Gefallenen sein. Dies war und ist die kollektive Erinnerung der Deutschen im 20. und auch im 21. Jahrhundert, die 1933, 1945 und die Wiedervereinigung überdauern sollte. Seit dem 14. November 1993 ist die Neue Wache unter den Linden offiziell die Zentrale Mahn-und Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland. Die Neue Wache war in der DDR ab 1960, jeweils am 2. Sonntag im September, der Gedenkort des Internationalen Gedenktags für die Opfer des faschistischen Terrors und Kampftag gegen Faschismus und imperialistischen Krieg. Hauptträger war und ist auch wieder seit 1952 der Volksbund, der zu den zentralen Veranstaltungen des Volkstrauertages, wie im Reichstag, einlädt. Die erste Gedenkstunde fand am 5. März 1922 im Berliner Reichstag statt. Reichstagspräsident Paul Löbe hielt die Rede. Ich zitiere daraus: „Ein Volk, das seine Toten ehrt, wird  in dieser ernsten Huldigung ein gemeinsames Band schlingen um viele Seelen, denen dasselbe Leid widerfuhr, und wird dieses Band auch ausdehnen auf die Mutter an der  Wolga und am Tiber, deren Schmerz um den nicht mehr heimgekehrten Sohn nicht minder weh ins Herz sich fraß als der Mutter an der Donau und am Rhein“. Ab 1924 wurde der Volkstrauertag jährlich in der Passionszeit begannen. Auch die Siegermächte des Ersten Weltkriegs gedachten ihrer Toten, sie führten im Jahr 1920 einen nationalen Gedenktag, der Remembrance Day, ein. In den meisten englischsprachigen Ländern sowie in Belgien und Frankreich ist dieser Gedenktag der 11. November. Bis heute wird dieser Tag auch im Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkriegs begannen. Modellhaft für die Bewahrung des Ersten Weltkriegs im »Funktionsgedächtnis« (Aleida Assmann) ist Großbritannien, wo beiden Weltkriegen eine ähnliche Bedeutung zuerkannt wird. Der »Armistice Day« am 11. November repräsentiert seit 1920 kontinuierlich die öffentliche Erinnerung an das Ende des »Great War«. Zwei Schweigeminuten »at the 11th hour of the 11th day of the 11th month«, Das nationalsozialistische Regime hatte seit 1933 systematisch das öffentliche und private Leben in Deutschland "gleichgeschaltet". Hitler bereitete systematisch Militär, Wirtschaft und Gesellschaft auf den kommenden Krieg vor. Äußeres Symbol nationalsozialistischer Gleichschaltung war das Hakenkreuz. 1934 stimmte das Reichskabinett einem neuen Feiertagsgesetz zu, das aus dem Volkstrauertag den Heldengedenktag machte. Nicht mehr der Volksbund war für die Ausgestaltung zuständig, sondern das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda im

(Foto: Ehrenstadtverordneter Karl-Heinz Ise, Hans Eichel,

Burkhard Finke, Gabriela Wolff-Eichel, Bgm. R. Schaake)

 

Einvernehmen mit dem Reichsinnenminister.  Am 16. März im Jahr 1939 wurde der Heldengedenktag in Erinnerung an die am 16. März 1935 eingeführte allgemeine Wehrpflicht zugleich als Tag der Wehrfreiheit begannen. Äußeres Zeichen: Die Fahnen wehten nicht mehr auf Halbmast, sondern auf Vollstock. Die kriegerisch-militärische Bedeutung dieses Tages, immer schon mit Blick auf den kommenden Krieg, wurde in den Vordergrund gerückt. Am 1. September 1939 verkündigte Hitler mit gespielter Empörung vor dem Reichstag, dass seit dem frühen Morgen "zurückgeschossen" werde. Der Zweite Weltkrieg hatte begonnen. Vorausgegangen war Ende April die Aufkündigung des deutsch-polnischen Nichtangriffspakts. Um einen Vorwand für den Angriff bemüht, inszenierten SS-Agenten in polnischen Uniformen Verletzungen der deutschen Grenze. Schon im Ersten Weltkrieg wurden Zeppeline, Heißluftballons und Flugzeuge zur Fernaufklärung und als Bombenträger eingesetzt. Aus dieser Erfahrung heraus waren die Briten die weltweit ersten, die zu Heer und Kriegsmarine eine dritte Teilstreitkraft, die Luftwaffe (vertikale Artillerie), als Royal Air Force am 1. April  also noch während des Ersten Weltkrieges, 1918 etablierten. Zum Land-und Seekrieg war der Luftkrieg hinzugekommen mit schlimmsten Zerstörungen und großen Opfern unter der Zivilbevölkerung, wie der Zweite Weltkrieg zeigt. Gezielt wurden deutsche Großstädte aus der Luft angegriffen. Zivilopfer wurden wissend in Kauf genommen. Ziel war die Demoralisierung des deutschen Volkes bis hin zur Unfähigkeit zu bewaffnetem Widerstand, bis hin zur Zerstörung und Paralysierung des deutschen militärischen, industriellen und wirtschaftlichen Systems. Vom 24. Juli bis 3.August 1943 erfolgten Nacht-und Tagesangriffe auf Hamburg mit Bombenangriffen rund um die Uhr, die Löscharbeiten fast unmöglich machten. Fortan sprach Arthur Harris "Commander in Chief" des „Bomber Command" der Royal Air Force vom „Hamburgisieren“ deutscher Städte. Schon 1942 wurde Kassel als Standort wichtiger Rüstungsbetriebe von den Engländern in der „Kassel & district target map“ erfasst, welche die Lage der Betriebe kennzeichnete, die kriegswichtige Güter produzierten.  So z.B. Fieseler-Flugzeug GmbH, Junkers Flugzeug-und Motorenwerke, Henschel Werke, damals Europas größter


 














(Foto: Posaunenchor der evang. Kirchengemeinde in Wolfhagen)

 

Lokomotivhersteller, die Henschel Flugzeugmotorenbau GmbH, Herstellung von Daimler-Benz Motoren für verschiedene Bombertypen, die Firma Wegmann, das Ausbesserungswerk der Reichsbahn und textilherstellende Betriebe.  Außerdem war Kassel ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt innerhalb Deutschlands. Hinzu kam, dass Kassel auch bei völliger Verdunklung aus großer Höhe gut zu orten war. Die Lage an der Reichsautobahn, die mäandernde Fulda, die schon geringe Mondstrahlen reflektierte und das gut sichtbare Wahrzeichen Kassels, der Herkules. Damit war das Schicksal

 

Kassels besiegelt. Insgesamt 40mal wurde die Stadt seit dem 22. Juni 1940 aus der Luft angegriffen, allein noch 27mal nach dem verheerenden Angriff vom 22. Oktober 1943. Der letzte geschah am 21. März 1945, nur 14 Tage, bevor die „Festung Kassel“ am 4. April durch Generalmajor Johannes von Erxleben an den Kommandeur der 80.US-Infanterie-Division kampflos übergeben wurde. Doch warum wurde die Innenstadt Kassels Ziel der Royal Airforce? Die meisten Industrieanlagen befanden sich doch in den Randbezirken der Stadt. Im Gegensatz zu einer Stadt wie Berlin, die größtenteils aus Steingebäuden bestand, hatte Kassel die eng bebaute historische Altstadt mit Fachwerkhäusern. Diese diente als „Anzünder“. Nachdem die ersten Bomber am 22.Oktober 1943 um 20.44 Uhr über der Martinskirche die gelben Markierungs-und Leuchtbomben platziert hatten, konnte der 150 km lange Hauptstrom der Bomber seine Bomben punktgenau über der Innen-und Altstadt abwerfen. Zuerst wurden Dächer durch die Luftminen und Sprengbomben freigelegt, dann die Stabbrand-und Phosphorbomben, insgesamt 386.747, zwei Stück pro Quadratmeter, abgeworfen. Innerhalb von 15 Minuten entstanden zwei Flächenbrände und unzählige Groß-, Mittel-und Kleinbrände.  Der Feuerschein war weit über Kassel hinaus sichtbar. Die Schutzräume, die die Bevölkerung aufgesucht hatten, heizten sich wie ein Backofen langsam, aber beständig auf, dort gelagerte Kohlenvorräte entzündeten sich. Den Menschen blieb nur ein kleines Zeitfenster, um die Kellerräume zu verlassen. Die meisten der sorgsam angelegten Mauerdurchbrüche, die als Fluchtweg von Schutzraum zu Schutzraum dienen sollten, führten auf die engen Straßen der Altstadt, direkt in das Flammeninferno. Fluchtstollen zur Fulda hin gab es fast nicht. Um 22.10 Uhr endete der Angriff. Die genaue Anzahl der „Gefallenen“, so der Sprachgebrauch der Nazis, weiß man nicht. Man geht davon aus, dass etwa 10.000 Menschen, davon etwa 2.000 Kinder, ums Leben kamen. Todesursache: 70% der Opfer erstickten, 30% davon sind infolge einer Kohlenmonoxidvergiftung gestorben. Die Opfer waren bis auf 165 Personen ausschließlich Zivilisten. Rund 2.000 weitere Todesfälle sind durch Luftangriffe auf Kassel zu beklagen. Am 22. Oktober wurden 150.000 Kasseler Bürger schlagartig obdachlos.  Sie hatten alles verloren, nicht nur Hab und Gut, sondern viele von ihnen auch Angehörige, Freunde, Nachbarn und Bekannte. Sie wurden auf den umliegenden Dörfern oder bei Verwandten untergebracht. Die Evakuierung begann schon am 23. Oktober. Das erzählt meine Mutter, die als 9jährige in der Altstadt den Angriff erlebt hatte: „Wir wollten nur weg“. Die Erinnerung an den verheerenden Angriff auf Kassel vom 22. Oktober 1943 ist, wie in fast keiner anderen Stadt Deutschlands, die im Zweiten Weltkrieg bombardiert wurde, nach wie vor präsent. Zeitzeugen berichten eindrucksvoll von ihren Erlebnissen und Erinnerungen an das Naziregime, die Nacht der Zerstörung und die schwere Zeit danach. Sie haben als Kinder oder Jugendliche diese schreckliche Zeit erlebt. Furchtbarer Höhepunkt war eben die Nacht am 22. Oktober 1943. Um 20.44 Uhr begann die Bombardierung der Stadt. Vorausgegangen war um 20.17 Uhr der Fliegeralarm. Wieder, wie so oft vorher, mussten sie in die Luftschutzräume. Jeder Handgriff musste sitzen, ein Alarm konnte den Wettlauf mit dem Tod auslösen. Meine Mutter berichtet, dass sie nur halb ausgezogen zu Bett gegangen ist, wie immer damals. Wichtige Dinge, die auf keinen Fall verloren gehen sollten, wie Papiere und Familienfotos, waren in kleinen Koffern verstaut. Sie standen griffbereit. Seit dem 2. September 1939 war Verdunkelung angeordnet worden: "Täglich von Einbruch der Dunkelheit bis zum Hellwerden als Dauerzustand". Auch davon berichtet meine Mutter. Hört man den Erzählungen zu, gewinnt man den Eindruck, das war ebenso Normalität wie die im Alltag überall spürbaren Repressalien der Nazis. So ist diese Generation groß geworden. Und dann der 22. Oktober, der sie mit Zerstörung ungeahnten Ausmaßes konfrontiert hat. Die Enge der Luftschutzräume, explodierende Bomben, brennende Häuser, in Todesangst schreiende Menschen: Sie erlebten den Tod hautnah. Viele von ihnen haben in dieser Nacht enge Angehörige verloren. Um diese Generation kümmerte sich das Regime nicht, sie musste einfach funktionieren. Im Zweiten Weltkrieg verloren etwa 2,5 Millionen Kinder ein Elternteil, etwa 100.000 Kinder wurden Vollwaisen, etwa 75.000 Kinder unter 14 Jahren wurden getötet und 116.000 verletzt. Viele aus dieser Generation erhielten keine ihnen angemessene Schulausbildung, wie sie sie in Friedenszeiten gehabt hätten. Viele mussten sehr weite Schulwege zurücklegen, zu Fuß. Sie haben gehungert und gefroren. 2005 fand der erste internationale Kriegskinderkongress statt. Die Resonanz war überwältigend. Mehr als 600 Experten und Zeitzeugen kamen zusammen. Da wurde vielen Heutigen zum ersten Mal bewusst, was diese Generation in ihrer Jugend durchgemacht hatte. Nach dem Krieg hat diese Generation entscheidend zum Wiederaufbau beigetragen, dazu, dass wir heute in Deutschland in Wohlstand und Frieden leben können. Sie sind die Mitbegründer unserer Demokratie. Dafür müssen wir alle dankbar sein. Liest oder hört man die eindrucksvollen Berichte der Zeitzeugen, kann man nicht verstehen, dass es heute noch oder wieder deutsche Mitbürger gibt, die die rechte Hand zum Hitlergruß erheben, ein Hakenkreuz, an die Wand hängen, sich eintätowieren lassen oder aus einer Tasse, bemalt mit einem Hitlerkonterfei und der Aufschrift: Wir vermissen dich! ihren Kaffee trinken. Im Jahr 1948 nahm der Volksbund die Tradition des Volkstrauertages in der vor 1933 üblichen Form wieder auf. 1950 fand die erste zentrale Veranstaltung im Plenarsaal des Bundestages in Bonn statt. Das blieb, bis auf wenige Ausnahmen, bis zum Jahr 1991 so. Allerdings wurde der Volkstrauertag von 1952 an nicht mehr im Frühjahr, sondern am Sonntag vor Totensonntag begangen, um sich deutlich von der Tradition des Heldengedenktages abzusetzen. 1992 veranstaltete der Volksbund die zentrale Gedenkkundgebung erstmalig wieder in der neuen alten Hauptstadt Berlin, in der Philharmonie. Auch heute findet die zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag in Berlin, seit Wiederaufbau des Reichstagsgebäudes im Plenarsaal des Deutschen Bundestages statt. Wolfgang Schneiderhan, Präsident des Volksbundes, wird zu Beginn sprechen. Die Gedenkrede hält der Präsident der Französischen Republik, Emmanuel Macron, eine wunderbare Geste, hundert Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges. Das Totengedenken spricht Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Es ist 73 Jahre her, am 8. Mai 1945 wurde die Kapitulationsurkunde von der deutschen Wehrmacht unterzeichnet. Damit war der Zweite Weltkrieg, der fast sechs Jahre gedauert hatte, beendet. Die Bilanz noch viel grauenhafter als 1918. Etwa 65Millionen Menschen, es gibt Schätzungen, die sogar von 80Millionen sprechen, haben in dem vom Dritten Reich und Japan angezettelten Krieg ihr Leben gelassen, die Hälfte davon Zivilisten. Allein durch den Atombombenabwurf der Amerikaner auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945 wurden 100.000 Menschen sofort getötet, an den Folgen sind bis Ende 1945 weitere 130.000 Japaner gestorben. Von den Folgen wie Krebserkrankungen und Erbgutschäden, die bis in die heutige Zeit reichen, ganz zu schweigen. Dabei handelte es sich fast ausschließlich um Zivilisten. In der Sowjetunion kamen   14 Millionen, in Polen 5.7 Millionen und in Deutschland etwa 1,2 Millionen Zivilisten um, vor allem Frauen, Kinder, Männer und alte Menschen. Der Volkstrauertag, ursprünglich gedacht als ein Gedenktag für die Opfer des Ersten Weltkriegs, musste sich in seiner Bedeutung grundlegend ändern. Wessen müssen wir heute gedenken? Auch als Mahnung, dass so etwas wie die Naziherrschaft und der Zweite Weltkrieg nie wieder passieren darf. Ich zitiere aus der Rede Richards von Weizäcker, die er anlässlich der Gedenkveranstaltung am 8.Mai 1985 im Plenarsaal des Deutschen Bundestages zum 40. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa hielt. „Der 8. Mai“ ist ein Tag der Erinnerung. Erinnern heißt, eines Geschehens so ehrlich und rein zu gedenken, dass es zu einem Teil des eigenen Innern wird. Das stellt große Anforderungen an unsere Wahrhaftigkeit. Wir gedenken heute in Trauer aller Toten des Krieges und der Gewaltherrschaft. Wir gedenken insbesondere der sechs Millionen Juden, die in deutschen Konzentrationslagern ermordet wurden. Wir gedenken aller Völker, die im Krieg gelitten haben, vor allem der unsäglich vielen Bürger der Sowjetunion und der Polen, die ihr Leben verloren haben. Als Deutsche gedenken wir in Trauer der eigenen Landsleute, die als Soldaten, bei den Fliegerangriffen in der Heimat, in Gefangenschaft und bei der Vertreibung ums Leben gekommen sind. Wir gedenken der ermordeten Sinti und Roma, der getöteten Homosexuellen, der umgebrachten Geisteskranken, der Menschen, die um ihrer religiösen oder politischen Überzeugung willen sterben mussten. Wir gedenken der erschossenen Geiseln. Wir denken an die Opfer des Widerstandes in allen von uns besetzten Staaten. Als Deutsche ehren wir das Andenken der Opfer des deutschen Widerstandes, des bürgerlichen, des militärischen und glaubensbegründeten, des Widerstandes in der Arbeiterschaft und bei Gewerkschaften, des Widerstandes der Kommunisten. Wir gedenken derer, die nicht aktiv Widerstand leisteten, aber eher den Tod hinnahmen, als ihr Gewissen zu beugen. Neben dem unübersehbar großen Heer der Toten erhebt sich ein Gebirge menschlichen Leids, Leid um die Toten, Leid durch Verwundung und Verkrüppelung, Leid durch unmenschliche Zwangssterilisierung, Leid in Bombennächten, Leid durch Flucht und Vertreibung, durch Vergewaltigung und Plünderung, durch Zwangsarbeit, durch Unrecht und Folter, durch Hunger und Not, Leid durch Angst vor Verhaftung und Tod, Leid durch Verlust all dessen, woran man irrend geglaubt und wofür man gearbeitet hatte. Heute erinnern wir uns dieses menschlichen Leids und gedenken seiner in Trauer.“















Im Anschluss an diese Gedenkrede übergab Bürgermeister Reinhard Schaake das Wort an die Schülerin Sarah Alabed (Foto). Sie ist mit ihrer Familie geflüchtet und hat in der Pommernanlage gelebt. Heute wohnt sie in Bad Emstal.

Die Rede im Wortlaut:

Für den Frieden (anlässlich Volkstrauertag in Wolfhagen am 18. November 2018)

 

Krieg ist ein Wort aus fünf Buchstaben. Aber das Wort hat so viele Bedeutungen. Zum Beispiel: Hass, Trauer, Schmerzen, Qualen, Angst, Entsetzen, Leid, Tränen, Gewalt und Schrecken, Zerstörung und Tod. Auch meine Familie und ich haben den Krieg kennengelernt. Alles, was uns Heimat war, mussten wir hinter uns lassen. Wir konnten nicht mehr in unserem Land bleiben. Wir sind von Syrien weg gegangen, nur mit unserer Vergangenheit und unseren Erinnerungen. Die Entscheidung ist meiner Familie und mir nicht leicht gefallen. Meine Eltern haben sich entschieden, uns Kindern ein Leben in Freiheit und Frieden zu geben. Eine friedvolle Zukunft. Der Weg von Aleppo war schwierig. Um nach Deutschland zu kommen, waren wir vielen Gefahren ausgesetzt. Wie viele andere Menschen aus Syrien mussten wir in einem überfüllten Schlauchboot flüchten. In Deutschland angekommen, wurden wir in Hessen aufgenommen und leben und wohnen seit zwei Jahren in Bad Emstal. Wir wissen, dass wir in einem Land angekommen sind, dem Frieden und

 Freiheit alles bedeutet. Wir haben die Chance, uns eine friedliche Zukunft aufzubauen. Wieder Lachen, Freude, Sicherheit und Hoffnung haben. Ich wünsche mir, dass alle sich die Hände geben und miteinander sprechen, dann wäre alles in Ordnung, es gäbe keinen Stress und keinen Krieg mehr. Frieden herzustellen bedeutet Bereitschaft und Mut, um Streit und Konflikte friedlich zu lösen. Darauf hoffe ich. Dafür will ich mich einsetzen.“


Mohammed Nasserzare (Foto links), der aus dem Iran geflüchtet, inzwischen getaufter Christ und Kfz-Mechaniker in einem Autohaus in Wolfhagen ist, berichtet in kurzen Sätzen über seine Integration in Wolfhagen.

 




(Foto v.l.n.r. Bürgermeister Reinhard Schaake, Gabriela Wolff-Eichel u. Stadtverordnetenvorsteher Burkhard Finke)


Im Anschluss an die Gedenkrede erfolgte unter musikalischer Begleitung des Posaunenchors der evangelischen Kirchengemeinde Wolfhagen die Kranzniederlegung durch Bürgermeister Reinhard Schaake, Frau Gabriela Wolff-Eichel und Stadtverordnetenvorsteher Burkhard Finke.















In seinem Schlusswort bedankte sich Bürgermeister Reinhard Schaake zunächst bei den Gastrednern und richtete sodann seinen Dank an alle Anwesenden und Mitwirkenden für eine gelungene Gedenkstunde zum Volkstrauertag.

 

 

(Foto v.l.n.r. Gabriela Wolff-Eichel, Stadtverordnetenvorsteher Burkhard Finke, Sarah Alabed, Mohamed Nasserzare, Bürgermeister Reinhard Schaake)





Dienstag, 11.12.2018


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